Kubba spezial mit Hasan

Der Koch des Tages macht für uns „Kubba spezial“

Hasan Asfour (25 Jahre alt) aus Syrien, Aleppo

 Das Team heute besteht aus Edda, Nici und Hasan

 

Meine Reise beginnt in Burgwedel bei Hannover und ich werde mit Hasan „Kubba spezial“ zubereiten. Die Fotos sind von Edda Wilkening, die auch den Kontakt hergestellt hat. Hasan lebt seit 6 Monaten in Deutschland und hat Edda in ihrer Kirchengemeinde kennengelernt. Die beiden haben sich sofort gut verstanden und schon bald gab es die erste Anfrage an Hasan, ob er wohl ein Geburtstagsessen für 20 Personen kochen könnte. Seit diesem Event – drei Tage kochen und anschließend wunderbar zusammen feiern – sind die beiden befreundet und treffen sich ganz regelmäßig. Hasan spricht sehr gut Englisch und übt fleißig an seinem Deutsch. Edda ist für ihn wie eine zweite Mutter – welch ein Glück für Hasan.

Wir beginnen mit einem gemeinsamen Einkauf im Ort. In einem Nebenraum von einem Imbiss finde ich mich auf einmal in einem kleinen und feinen Fachgeschäft wieder. Bis zur Decke stapeln sich spezielle arabische Zutaten. Nicht nur 10 verschiedene Arten von Bulgur, sondern Gewürzpasten, Weinblätter und kiloweise köstlich aussehendes Fladenbrot finden sich hier. Mittendrin stehe ich und lächle freundlich, denn wie im Taubenschlag wird dort eingekauft. Einige Geflüchtete kenne ich sogar und es entsteht ein sehr nettes Gespräch. Hauptsächlich wird natürlich in der jeweiligen Muttersprache gesprochen, aber nachdem Hasan erklärt hat was wir vorhaben, kommen die ersten Interessierten auf mich zu und sprechen etwas Deutsch mit mir. Trotzdem ist es noch eine Englisch-Deutsch-Hand-Fuß-Google Übersetzer-Unterhaltung, die uns alle amüsiert.

Dank Smartphone findet Hasan schnell alles was wir brauchen und den Rest erbeuten wir im Supermarkt. Das erste was ich lerne ist, dass Syrer gerne mehr kochen, als potentielle „Esser“ da sind. So gehen wir am Ende mit vollgepackten Taschen zu unserer Lokation, wo auch schon unsere Fotografin Edda Wilkening wartet. Edda fotografiert bereits seit 20 Jahren nebenbei, wobei sie so professionell ans Werk geht, dass ich das nicht mehr als Hobby durchgehen lasse.

Hasan strahlt in der Küche Ruhe aus, sofort ist spürbar, dass er das schon hundertmal gemacht hat. Im Gespräch erzählt er mir von zuhause. Hasan ist vor 6 Monaten aus Aleppo  geflüchtet. Den Bachelor in Economy hat er schon in der Tasche und jetzt möchte er den Master machen,  erzählt er mir im perfekten Englisch. Für die Prüfungen an der deutschen Universität lernt er viel. Auch deutsche Vokabeln fließen schon manchmal mit in die Konversation: „This Kubba ist so lecker“

Wir lachen viel und ich darf auch assistieren. So zupfe ich Kiloweise Petersilie, die gar nicht ins Kubba kommt, aber Hasan für das Foto gerne hätte, denn er macht auch noch eine „Dekorationsspeise“. Es macht Spaß ihm zuzuschauen und wir fragen uns weiter gegenseitig aus. Schon mit 10 Jahren hat Hasan neben seiner Mutter am Herd gestanden, geschaut, gefragt, gelernt. Heute kocht er für 30 Gäste oder mehr. Manchmal tagelang neben den Sprachkursen. Wenn mal etwas Wichtiges fehlt oder er eine Frage hat, dann wird die Mama in Istanbul per WhatsApp kontaktiert.

Mit der Nase wird alles genau geprüft. Das scheint Hasans Markenzeichen zu sein, denn bevor etwas zu dem inzwischen eingeweichten Bulgur in den Topf wandert, wird es genauestens inspiziert oder probiert. An dieser Stelle lerne ich noch etwas Typisches. Es fehlt noch dieses und jenes, ich fahre auch nochmal los, die Nachbarin hilft aus, oder es wird improvisiert. Das beschleunigt nur bei mir den Puls, da ich am Abend noch einen Termin habe und ich mich frage, ob es tatsächlich bei den abgemachten 3 Stunden bleibt. Von dieser Gelassenheit kann ich mir gedanklich schon einmal eine Scheibe abschneiden.

Kubba ist übrigens in diesem Fall in Wasser eingeweichter Bulgur mit unterschiedlichen Zutaten. Normalerweise gibt es dieses Gericht als eine frittierte Variante oder auch mit Fleisch, aber dieses ist die Spezial-ungekocht-Variante von Hasan. Das kann man gut als Beilage essen und ist mit der Einweichzeit des Bulgurs theoretisch in gut 2 Stunden zu schaffen. Ich passe genau bei allen Arbeitsschritten auf und auf die Frage, ob ich denn mal kosten könnte, bekomme ich jedes Mal ein freundliches „Nein“

Bei den Gewürzen sind neben einer Paprikawürzmischung in süß und scharf, noch Cumin (Kreuzkümmel) und Granatapfelmelasse zu finden. Gebratene Zwiebeln, rohe Frühlingszwiebeln und gehackte Walnüsse (durfte ich auch machen) runden das Ganze ab. Theoretisch könnte man ganz nach Kühlschrankvorrat und Geschmack den Bulgur noch verfeinern. Die ideale Beilage zum Grillen in diesem Sommer!

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Schon jetzt ist es ein optisches Highlight, der Duft in der Küche ist atemberaubend und mein Magen beginnt zu knurren. Allerdings traue ich mich nicht nochmal zu fragen und knabbere stattdessen ab und an ein bisschen von meinem Petersilienberg.

Die Zeit hat uns irgendwann eingeholt und während Hasan schon anrichtet bekomme ich die Nachricht, dass ich unsere Austauschschülerin aus Frankreich bald abholen muss, denn der Bus aus der Normandie ist schon im Anflug. Jetzt darf ich doch probieren und ich bin begeistert! Vor dem Anrichten hat Hasan alles gut vermischt und dann portionsweise auf kleine Salatblätter gelegt. Bevor die Platten auf den Tisch dürfen kommen noch Walnüsse und Tomaten zur Deko dazu – jetzt weiß ich auch wofür die brauchten.

Ein sehr schönes Gericht, preiswert und gut zuzubereiten und im Mund treffen sich lauter unterschiedliche Aromen zu einem harmonischen Ganzen. Wow! Jetzt bin ich beeindruckt und gleichzeitig ein bisschen enttäuscht, dass keine Zeit mehr für ein gemeinsames Essen bleibt, denn wir haben die tatsächlich vereinbarte Zeit um nur 2 Stunden überschritten. Noch was gelernt heute! Deswegen bekomme ich zwei Teller mit und darf aus der Schüssel noch die Deko probieren, die Hasan nebenbei noch gezaubert hat – arabischer Salat namens „Taboulé“ und this is so lecker!

Zuhause angekommen berichte ich voller Freude von meinem ersten Kocherlebnis. Dabei essen wir Lasagne (Italien), Baguette (Frankreich), Kubba á la Hasan (Syrien) und trinken ein Gläschen Wein (Südafrika) und Apfelsaft (Deutsche Streuobstwiese). Dabei sprechen wir Deutsch, Französisch und Englisch und manchmal auch die Hand-Fuß-Variante von heute Mittag….

Danke an Hasan und Edda für den tollen Tag! Das Originalrezept finden Sie dann später in unserer Kochbroschüre, die wir sicher auch als PDF zur Verfügung stellen werden – wenn das nicht schon die Vorfreude steigert!

Als nächstes freue ich mich auf meinen ersten Besuch bei einer Tafel!

Bis dahin liebe Grüße

Nici Friederichsen

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