Die Burgwedeler Tafel

Hinter den Kulissen der Burgwedeler Tafel

Das Team besteht heute aus mir und den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Burgwedeler Tafel

IMG_0860

Bevor ich über meinen Besuch bei der Burgwedeler Tafel berichte, möchte ich doch kurz ein paar Sätze über die Tafeln allgemein schreiben und Sie natürlich ermuntern unter den Links mal zu schauen, was Sie noch interessiert oder Ihre Tafel vor Ort genauer kennenzulernen.

In Deutschland gibt es zurzeit 917 Tafeln, die um die 1,5 Millionen Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützen. Alle Einrichtungen sind gemeinnützige Organisationen. Damit sind die Tafeln eine der größten sozialen Bewegungen, die von über 60. 000 ehrenamtlichen Mitarbeitern in den unterschiedlichsten Bereichen gestützt und getragen wird.

In einem Land in dem wir Lebensmittel im Überfluss haben, sorgen die Tafeln durch ausgeklügelte Logistik dafür, dass diese umverteilt werden und somit Menschen zugutekommen, die durch ihr monatliches Einkommen nur unzureichend versorgt werden. Viele Menschen unterstützen durch ihre Zeit und Spenden die Tafeln.

Jetzt also zu meinem Termin bei der Tafel in Burgwedel. Der Vorsitzende Herr Duckstein und ich haben im Vorfeld schon ein paar Worte hin und her gemailt. Eine Stunde vor der Ausgabe sind wir vor Ort verabredet und ich erkläre dem Team kurz, was ich heute dort mache. Im Grunde ist es ja rumstehen –manchmal auch im Weg – Fotos machen, erleben wie die Arbeit läuft und Fragen stellen. Kunden werde ich nicht fotografieren, es geht heute um das Team.

Das Burgwedeler Team besteht aus 60 Ehrenamtlichen, von denen 4 zum Büro Team gehören. Bevor die Ausgabe im eigentlichen Laden erfolgt, müssen alle Kunden ihre Berechtigungskarten zeigen. Diese werden vor Ort auf der Basis der vorgelegten Einkommensnachweise oder Flüchtlingsbestätigungen vom Amt ausgestellt. Danach wird dann noch der Obulus von 0,50 oder (für eine Person)  1 Euro ( für Familien) gezahlt. Auch hier bekomme ich die Möglichkeit ein Gespräch zu führen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen aufgrund der gestiegenen Flüchtlingszahlen und den einhergehenden sprachlichen Schwierigkeiten, den Google Übersetzer auch zu schätzen. Einige wichtige Fragen sind bereits übersetzt ausgedruckt, aber auch die Englisch-Deutsch-Hand-Fuß-Übersetzung kommt hier zum Einsatz – oder Bilder.

Die Burgwedeler Tafel versorgt rund 650 Menschen (ein Großteil davon sind Geflüchtete), die im 14-tägigen Rhythmus kommen, damit die Warte- und Arbeitszeiten im Rahmen bleiben. Schon nach kurzer Zeit ist zu sehen, dass die Logistik top ist. Von Montag bis Mittwoch werden in 2-3 Lieferungen die Lebensmittel mit dem hauseigenen Fuhrpark aus den Supermärkten in und um Burgwedel abgeholt und dann in den riesigen Kühlschränken, Regalen oder dem Lagerraum verstaut. Was in den Supermärkten übrig bleibt wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nie so genau, vor Ort angekommen wird alles genauestens auf Haltbarkeit geprüft und verdorbene Lebensmittel sofort aussortiert.

Heute stehen die Mitarbeiterinnen etwas auf Kohlen, denn der letzte und größte Wagen hat Verspätung und es muss ja noch alles ausgepackt werden.  Dann geht es auf einmal sehr schnell. Während mir Herr Duckstein im Nebenraum noch ein paar Fragen beantwortet, ist der Wagen fast ausgeladen und die ersten Lebensmittel schon im Regal verstaut. Hier ist ein eingespieltes Team am Werk und es ist wunderbar mitten in dieser herzlichen Stimmung zu sein, die hier vorherrscht.

Im Laden ist es dann so organisiert, dass 4-6 Ehrenamtliche aktiv bedienen und auch nur so viele Kunden im Raum sind. Der Vorsitzende ist heute der Verantwortliche für die Kontrolle der Berechtigungsscheine und bittet nach und nach weitere Kunden herein. Alles ist sehr ruhig und die Sprachbarriere wird durch die charmante und routinierte Präsentation der Waren überbrückt.

Vegetarische Fertigprodukte und unser Vollkornbrot sind bei den Geflüchteten noch nicht der Renner, wohl aber alle Arten von Gemüse und Obst. Spargel ist ein sehr unbekanntes Gemüse und oft beobachte ich, wie die Damen auch noch nebenbei die Anleitung zur Zubereitung geben. Kuchen und Süßigkeiten stehen ebenfalls auf der Lieblingslebensmittelliste und ohne Zucker geht anscheinend gar nichts, denn der ist ruckzuck weg.

Die Ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des heutigen Tages kennen ihre Kundschaft gut, sie wissen bei vielen schon, was unbedingt in die Taschen sollte. Es herrscht durchgehend eine freundliche Stimmung, es wird viel gelächelt und gelacht. Fremde Lebensmittel werden so charmant angeboten, dass der eine oder andere Geflüchtete sie auch annimmt. Ich frage mich ob Bulgur und spezielle arabische Gewürze auch von den deutschen Tafelbesuchern angenommen würden und hege innerlich ein gewisses Verständnis. In einem neuen Land sind auch die Lebensmittel fremd.

Einige erzählen mir, wie sie sich durch die drastische Fluchtbewegung an eigene Fluchtgeschichten erinnert fühlen , was es doch für ein Segen ist, dass heute schon so professionell und unkompliziert geholfen werden kann. Ich merke auch wie wichtig es ist respektvollen Umgang im Miteinander zu erleben, denn die Arbeit die hier ehrenamtlich geleistet wird, ist nicht nur körperlich sehr schwer. Eine Dame scherzt, dass sie alle „Rücken“ haben. Auf meine ernstgemeinte Nachfrage ob das stimmt, lacht sie und antwortet, dass es vorher auch schon so war.

Während wir so plaudern und alle außer mir arbeiten (bißchen schlechtes Gewissen kriege ich ja langsam), wandert der Zeiger der Uhr schon auf halb eins und die Regale leeren sich. Im Hintergrund wird weiter umgepackt, aufgefüllt, aussortiert und die Schürzen sind ein sehr zuverlässiger Korbersatz, beim Einsammeln der Lebensmittel aus den Regalen.

Eigentlich wollte ich ja nur ein Stündchen bleiben, aber dieses herzliche und offene Team und die Art und Weise wie sie ihr Ehrenamt ausführen, hat mich doch sehr bewegt und fasziniert. Dass es davon in Deutschland an die 60. 000 geben soll, ist schwer vorstellbar und erfüllt mich mit Dankbarkeit und Respekt.

Ehrenamtliches Engagement ist grundsätzlich großartig, egal wo man es ausführt und was für eine Aufgabe sich jeder aussucht. Ich erinnere mich an einen Satz während einer Weiterbildung von Renate Lohmann (amb. Hospizdienst Oldenburg), die mal sagte: „Wenn wir allen ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen rosa Hut aufsetzen würden, dann würden wir staunen wie viele es doch sind.“

Am 05. Dezember ist der Tag des Ehrenamts – vielleicht sollten dann überall in Deutschland Menschen die ehrenamtlich aktiv sind bunte Hüte als Anstecknadel tragen. Schöne Vorstellung.IMG_0963

Ich könnte noch so viel schreiben, aber vielleicht haben Sie ja mal Gelegenheit bei Ihrer Tafel zu hospitieren, darüber zu lesen oder zu einem Tag der offenen Tür zu gehen.

Danke, dass ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tafel heute „auf den Füßen“ stehen durfte und hinter die Kulissen schauen konnte!

Mein nächster Termin ist bei einer Landfrau auf einem Spargelhof und ich bin schon gespannt auf das Rezept!  Natürlich wird auch bald wieder gekocht, aber durch den Ramadan gibt es hier und da ein paar terminliche Verzögerungen – keine Sorge, die werde ich charmant überbrücken 🙂

bis dahin

Grüße Nici Friederichsen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s