Auf dem Land

Die Rezeptgeberin von heute ist eine Landfrau – gekocht wird später

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Astrid Engelke

Da ich ja auch auf der Suche nach deutschen Rezepten bin, habe ich vorab die Internetseite der Landfrauen mal näher betrachtet und muss ehrlich gestehen – ich bin überrascht worden! Eigentlich habe ich gedacht, dass sich dort die Frauen mit einem Hof treffen und austauschen, aber weit gefehlt. Es sind offene Gruppen für alle Frauen, die ein tolles und abwechslungsreiches Programm anbieten und dabei unschätzbare Kontakte vermitteln, die auf dem Land von enormer Bedeutung sind.

In Deutschland sind mehr als 500.000 Frauen Mitglied bei den Landfrauen und organisieren sich in 22 LandesLandfrauenverbänden, 430 Kreis- und mehr als 12.000 Ortsvereinen. Einer dieser Ortsvereine ist in Burgwedel und über die Anfrage bei der derzeitigen Vorsitzenden, Frau Guderian, habe ich den Kontakt zu Frau Engelke bekommen.

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Frau Engelke ist eine Landfrau, die auch noch einen landwirtschaftlichen Betrieb mit ihrer Familie betreibt. Schon einige Generationen bewahren diese Tradition und auch darüber sprechen wir in der gemütlichen Küche auf dem Engensener Hof. Wir kochen allerdings heute noch nicht, sondern werden die „Spargelquiche“ in zwei Wochen in einer größeren Aktion „nachkochen“. Dazu aber im nächsten Blogbeitrag mehr. Das Rezept bekomme ich überreicht und es liest sich schon mal köstlich – seien wir also alle gespannt!

Da wir ja noch immer in Niedersachsen sind, kommen wir auch auf den Landesverband der Landfrauen zu sprechen. Dieser hat gerade dem Thema „Integration“ für die nächsten Jahre eine besondere Priorität gegeben. Gerade auch im ländlichen Bereich ist die Ansprache und das Angebot besonders wichtig für Geflüchtete und ich finde es toll, dass die Landfrauen da so aktiv sind!

Nun zurück zu dem kleinen Spargelhof, der in einer 1500 Seelenortschaft liegt. Direkt vom Hof wird der Spargel in seiner Saison von Mitte April bis zum 24. Juni verkauft. Der kluge Käufer sorgt vor und friert in dieser Zeit ordentlich ein, denn Spargel schmeckt den ganzen Sommer. Den erntefrischen Spargel kann man geschält oder ungeschält kaufen. Das Feld liegt absolut idyllisch ganz in der Nähe, und  wie für das Foto arrangiert schauen auch einige Spargelspitzen hervor.

Das einzige Gemüse, welches ich kenne, dass es in so vielen Variationen gibt: Klasse I dick, Klasse I dünn, Bruch, Spitzen, unsortiert, Klasse II, geschält oder ungeschält….wahnsinn! Aber die Zubereitungsmöglichkeiten sind ja auch endlos.

Zwischendurch kommt auch die Vorsitzende der Landrauen, Frau Guderian, zum Spargel kaufen vorbei und wir fachsimpeln ein bisschen. Rezept-Klassiker ist natürlich der geschälte Spargel in Wasser mit Zucker, Salz und Butter. Dazu Hollondaise oder Butter und Kartoffeln. Aber auch die Variation mit heller Sauce und Mettbällchen ist ein Renner – ich kenne das gar nicht, aber mein Mann kriegt zuhause bei der Erzählung direkt leuchtende Augen. Im Salat oder gebraten, im Auflauf oder als Suppe, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Viele Geflüchtete erhalten ja zu dieser Jahreszeit auch in der Tafel Spargel und wissen noch nicht wirklich viel damit anzufangen. Wenn das mit dem Schälen erstmal geklärt wurde, dann ist das für viele trotzdem ein wässriges Gemüse – da werden sicher in den nächsten Jahren einige arabische Versionen gekocht werden, die auch für uns spannend sein könnten.

Frau Engelke erzählt mir auch von dem Leben auf dem Land. Ich höre sehr schnell raus, das eine so kleine Dorfgemeinschaft besonders ist. Hier unterstützt man sich, jeder kennt jeden und besonders angerührt ist Frau Engelke, als sie durch eine ungeahnte Hilfsbereitschaft auch über ihr Dorf hinaus unterstützt wurde , als der Betrieb am Anfang der Saison einen personellen Engpass hatte. Mich freut das sehr, aber es wundert mich auch nicht wirklich, denn so wie ich das hier erlebe, habe ich eine ganz tolle und engagierte Frau vor mir, die auch alles für ihre Freunde und Nachbarn tun würde. Das macht so ein Dorfleben wohl aus.

Aber natürlich hat sich in den letzten Jahren auch einiges geändert, auch darüber reden wir. Spargel gibt es heute in jedem Supermarkt, wir sparen ja auch alle gern Zeit, deshalb kaufen wir ihn gerne direkt dort. Wir scherzen, dass die jungen Generationen bestimmt irgendwann bei einem Internetanbieter ihren Spargel kaufen, womöglich schon mit allen Zutaten im Paket. Diese Vorstellung gefällt mir nicht wirklich, aber das sich was im Kaufverhalten ändert merken wir ja alle.

Zwischendurch kommen immer wieder Kunden geradelt oder mit dem Auto vorgefahren und es ist eben diese persönliche Begegnung, die einen solchen Hofladen ausmacht. Man kennt sich, fragt mal wie es der Mutti geht, wer noch einen Kuchen für das Fest am Wochenende backen kann oder erklärt kurz, was ich da mache. Wie toll, wenn man so einen Laden direkt vor seiner Haustür hat – da können die Engensener echt froh sein!

Ich bin jedenfalls froh, dass ich Frau Engelke kennenlernen durfte und finde es toll, wenn die Landfrauen sich auf ihre Fahne geschrieben haben, die Integration zu unterstützen. Mit viel Herz wird das sicherlich gut gelingen!

Frau Guderian hatte im Gespräch so nett gesagt, dass viele Frauen nach dem ersten Schnuppern bei den Landfrauen sagen: „Wenn ich gewusst hätte wie schön es hier ist, wäre ich schon eher gekommen“. Dem kann ich gar nichts mehr hinzufügen!

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Bis zum nächsten Mal, dann gibt es einen Blick hinter die Kulissen…

Grüße Nici Friederichsen

 

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