Die Heider Kindertafel

Ein Besuch bei der Heider Kindertafel

Auf der Suche nach weiteren Projekten von Tafeln bin ich bei meiner Recherche auf die Heider Kindertafel gestoßen und habe direkt dort angefragt, ob ich sie mal besuchen kommen dürfte. Schon vorab hatte ich ein sehr interessantes und fröhliches Telefonat mit der Leiterin der Kindertafel, Silke Steffens. Ein Termin wurde schnell gefunden und so war ich dann sehr gespannt, als ich mich in den hübschen Ort in Schleswig-Holstein aufgemacht habe, um ein paar der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und den Vorsitzenden der AWO Heide Karsten Wessels kennenzulernen.

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Ich habe an dem Tag noch meine Nichte Lena im Schlepptau, denn wir nutzen den Besuch zu einem Kurztrip nach Kiel. So werden wir dann sehr herzlich in einem Büro empfangen und bekommen bei Kaffee und Keksen schon einen ersten Eindruck. Natürlich ist mir sofort der gemalte Gruß an Herrn Karsten ins Auge gefallen und während wir noch auf Frau Steffens warten sind wir schon mitten im Thema.

Im Januar wurde die Tafel 8 Jahre alt, ein Bild im Flur zeigt mir allerdings, dass die Kindertafel gerne Geburtstag feiert. Entstanden aus einer Idee im Jahr 2008 ist eine Initiative entwachsen, die es in der Schulzeit täglich 15-20 Kindern erlaubt, eine warme Mahlzeit zu bekommen. In unmittelbarer Nachbarschaft mit der „normalen“ Tafelstelle arbeiten hier von Montag bis Freitag je 4 Ehrenamtliche und kümmern sich um die Mittagsgäste, die 6-14 Jahre jung sind. Das Team selbst besteht aus 15 Ehrenamtlichen, davon sind 5 Damen seit der ersten Stunde dabei. Eine davon ist Renate Kohls, die auch zum Leitungsteam gehört. Das Essen selber wird über Spenden aus einer Großküche organisiert, aber Obst wird beispielsweise von der Heider Tafel gesponsert und besteht heute aus Bananen. Spenden werden durch die berühmten Waffelbackaktionen, durch Privat- und Firmenspenden oder den Weihnachtsbasar erwirtschaftet. Auch hier zählt: „Tue Gutes und rede darüber“, dann klappt es auch mit den Spenden.

In Heide und Umgebung gibt es zur Zeit ca. 2000 Kunden, davon sind etwa 500 Kinder. Durch die Geflüchteten gab es einen Zuwachs von 500 Kunden alleine im letzten Jahr und auch Integration ist ein wichtiges Thema. An 4 Stellen werden die Lebensmittel ausgegeben und Herr Wessels organisiert mit seinem Team von 60 Ehrenamtlichen und 30 Hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen reibungslosen Ablauf. Ebenfalls ehrenamtlich – da ziehe ich meinen Hut! Schnell merke ich, dass diese Menschen hier mehr sind, als nur eine Essensausgabe für Kinder. Zwischendurch wird gefragt ob der Max jetzt mit ins eigens initiierte Zeltlager für Tafelfamilien mitkommt. Ich erfahre, dass es schon die ersten Tafelkinder-Babys gibt. Denn in 8 Jahren wurden viele Kinder und Jugendlichen begleitet und die ersten sind eben schon erwachsen. Manchmal kommen Sie zu Besuch und haben teilweise auch das Bedürfnis etwas zurückzugeben, für das was sie bekommen haben. Das ist weit mehr als das Gefühl satt nach Hause zu gehen. Neben dem Angebot der Hausaufgabenbetreuung findet sich hier das, was alle Kinder Mittag so nötig haben nach einem Schultag. Ohren die zuhören, Augen die Kummer sofort erkennen und Schultern an die sich angelehnt werden kann. Hier gibt es körperliche Nähe, Trost und auch hier und da ein bisschen Erziehung. Ein gemeinsames Aufwachsen, denn die ehrenamtlichen Frauen kennen „ihre“ Kinder gut. Die Kinder haben ihrerseits „ihre“ Lieblingstafelmitarbeiterinnen. Heute sind wir früh da, zwei Kinder sind erst da – 13-18 werden noch erwartet. Nach dem Essen wird auch schon gespielt.

Kein Kind muss hier seine Bedürftigkeit nachweisen. Jedes Kind ist herzlich eingeladen. Eltern müssen sich nicht erklären und Formulare ausfüllen – es ist sicher schon schwer genug so ein Angebot anzunehmen und auf der anderen Seite ist es wunderbar, dass es so ein finanziell abgekoppeltes Angebot gibt. Unterstützung gibt es in Form von „Shopping-Touren“ mit einigen Tafelkindern, oder Aktionen wie Schlittschuhlaufen, Kinokarten oder Schwimmkursen, die sozial schwachen Kindern ein Stück Normalität schenken. Alles über Spenden und Kreativität der Ehrenamtlichen. Das ringt mir sehr viel Respekt ab und bei all den Geschichten sind meine Nichte und ich zwischenzeitlich sehr gerührt, über diese großen Herzen. Eine große Familie – dafür kann ich mich einfach nur stellvertretend bedanken.

Auf dem Weg raus zeigt mir Herr Wessels auch noch die hauseigene Schneiderei, die von einer Geflüchteten besetzt ist. Dort werden Taschen genäht und dann auf dem Basar verkauft. Meine Nichte Lena wird um ihr Urteil gebeten und wir können uns nur wohlfühlen, so herzlich sind die Menschen hier. Die Tafelausgabe gegenüber macht gerade Feierabend und ich darf noch ein paar Schnappschüsse machen. Später im Auto beschäftigt uns diese Begegnung noch länger und ich hoffe heute an dieser Stelle, dass es noch lange Jahre viel Rückenwind für diese tolle Arbeit und das Engagement gibt.

Im nächsten Beitrag werde ich über Helga Schmidtke berichten – sie macht nicht nur sensationellen Kochkäse, sondern ist auch Sternenkindbestatterin.

Bis dahin

Ihre Nici Friederichsen

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