Kochkäse mit Helga

Die Köchin des Tages macht uns einen Blitzkochkäse

Helga Schmidtke aus dem schönen Lautertal im Odenwald

Das Team des Tages heute besteht aus Helga Schmidtke, der Fotografin Nina Lesley Lombardo und mir.

Helga habe ich auch auf der Messe Leben und Tod in Bremen angesprochen. In einer Pause habe ich mich umgesehen und stand irgendwann vor diesen wahnsinnig roten Locken. Helga hatte gerade angefangen mit ihrem Standnachbarn Martin Kreuels zu essen und irgendwie wusste ich, die Beiden spreche ich jetzt mal an. Von meiner Idee angetan sind wir also in Kontakt gekommen und so gerne hätte ich auch mit Martin als Fotograf in Emden gekocht, aber dort hat es bis jetzt noch nicht so wirklich mit Kochpartnern geklappt.

Zurück zu Helga Schmidtke. An Helga kommt man nicht vorbei, denn diese Ausstrahlung und die rote Mähne locken geradezu mehr zu erfahren. Als ich nach einer Autofahrt durch wunderschöne Landschaften im Lautertal ankomme, werde ich bereits erwartet und auch unsere Fotografin Nina Lesley Lombardo ist schon da. Beide sind aktiv im Sternenkinderzentrum Odenwald e. V.. Helga unter anderem als Koordinatorin und Nina noch im Kurs zur Sterbe- und Trauerbegleiterin. Über Sternenkinder wird in Deutschland noch nicht so viel geredet, deswegen lege ich es allen Lesern ans Herz sich einmal auf der Website umzusehen oder über die Suchmaschinen zu recherchieren. Nahezu 3000 Kinder werden jährlich tot geboren, man spricht dann auch von einer stillen Geburt. Den Eltern stehen trotz unseres Wissens um Trauerbegleitung oft keine Ansprechpartner in den Kliniken zur Verfügung. Im Odenwald ist das anders, denn Helga Schmidtke und ihr Team begleiten die Eltern schon während der Geburt und bereiten nicht nur einen würdevollen Abschied, sondern sind auch in der Trauer als Begleiter an ihrer Seite. Bevor wir also zur Zubereitung des Kochkäses schreiten, sprechen wir unter anderem über die Fotografie von Sternenkindern, die Nina so liebevoll und ästhetisch macht. Damit schenkt sie den Eltern eine Erinnerung an ihr verstorbenes Kind. Ich höre von der guten Zusammenarbeit mit den ersten Kliniken, aus dem Alltag der Sternenkinderbestatterin und sitze 1 Stunde später auch im Arbeitsfahrzeug von Helga Probe. Ein Bestatter Fahrzeug. Was für eine schwere Aufgabe und wie wunderbar solche Menschen an der Seite von betroffenen Eltern zu wissen. Das war sehr berührend – danke.

Jetzt also zum Nationalgericht „Kochkäse mit Musik“. Helga hat jede Menge Zutaten vorbereitet, die unter andrem aus Quark, Butter und Harzer Käse bestehen. Im Esszimmer beginnen wir die Zwiebeln zu schälen und unter vielen Tränen plaudern wir weiter munter drauf los. Ich lerne, dass Kochkäse eigentlich zu allem gegessen werden kann und als dann plötzlich eine „Zaubermaschine“ auf dem Tisch steht, verstehe ich auch, warum Helga das mal eben so machen kann. Normalerweise werden die Zutaten vom Kochkäse im Wasserbad für ca. 30 min mit einem Holzlöffel zu einer homogenen Masse verrührt. In diesem technischen Hightech-Teil geht das innerhalb von 10 min. und Helga ist hocherfreut, als es trotz des schwülen Wetters die perfekte Konsistenz gibt. Neben den genannten Lebensmitteln finden sich auch noch Schmelzkäse, Sahne und ganz wichtig Natron auf der Zutatenliste. Damit ist der Käse schon so gut wie komplett und die „Musik“ fehlt noch.

Die Beilage sind klein geschnittene Zwiebeln, die mit sehr viel Sonnenblumenöl, Essig, Salz und Pfeffer abgeschmeckt werden. Wichtig ist es hier, dass die Zwiebeln tatsächlich im Dressing schwimmen. Zum Kochkäse kann auch Kümmel gereicht werden, falls es zu Empfindlichkeiten aufgrund der Zwiebeln kommt. Angerichtet mit frischem Brot ist dieser Käse tatsächlich ein absoluter Hochgenuss. Ganz cremig und dann gemeinsam mit den Zwiebeln bekommt die Geschichte richtig Pepp. Auch während der Zubereitung erzählen Helga und Nina viel aus ihrer Arbeit. Beiden merkt man an, wie wichtig es ist, dass auch die Öffentlichkeit wahrnimmt, was Sternenkindereltern durchmachen und wünschen sich so sehr, dass dieses Thema mehr Beachtung findet- wie Trauerbegleitung im Allgemeinen. Wir kommen einfach nicht vorbei an diesem Thema, wie wir leider in den letzten Wochen und Tagen alle schmerzlich erfahren und mitansehen mussten.

Auch wenn wir über viel Trauriges gesprochen haben, war es ein sehr schönes und lustiges Kochen heute. Wir mussten keine Lampen abnehmen oder Wände neu streichen – Nina hat auch so wunderbar fotografieren können. Im Anschluss begleiten die Beiden mich noch zum nächsten Termin in Lautertal. Bei Marita Hiller kochen zwei Syrer für uns, was habe ich doch für ein Glück, dass ich so viele tolle Menschen und ihre Geschichten kennenlerne und dabei auch noch kulinarisch beschenkt werde.

Beim nächsten Blogeintrag also von Marita, Fadi und Alaa…

Ihre Nici Friederichsen

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