Shisbarak und Ozi im Lautertal

Die Köche des Tages bereiten für  uns Shisbarak und Ozi zu

Mein super Kochteam besteht aus Alaa Amayri (21) und Fadi Alweesh (31)

Das Team wurde noch durch Marieta Hiller und Mohannad Sedawi ergänzt. Im Gepäck hatte ich auch noch Nina Lombardo an der Kamera und Helga Schmidtke an den arabischen Teigtaschen und dem goldenen Geschirrhandtuch.

Nachdem wir den Kochkäse bei Helga gekostet hatten ging es auch schon weiter im Programm zu Marieta Hiller, die seit Januar diesen Jahres gleich für drei junge Männer als Patin da ist. Sprachunterricht, Arztbesuche, Fragen des täglichen Lebens, Halt geben, zuhören, gemeinsam kochen – Familie sein. Es hat mich wahnsinnig beeindruckt als Marieta mir von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählte und  letztendlich ist es keine Arbeit, sondern Alaa, Fadi und Mohannad gehören zur Familie. Eigentlich ist die Gästeführerin und Märchenerzählerin im Sommer im absoluten Saisonhoch, und trotzdem nimmt sie sich die Zeit und verschiebt Prioritäten im Alltag, weil es jetzt wichtig ist hier zu helfen. Herzerwärmend das so mitzuerleben.

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So hatte Marieta schon alles im Haus was wir brauchten (alles andere wurde wie bei fast jedem Kochen noch besorgt) und an diesem herrlichen Sommertag durften wir alle bei ihr und ihrem Mann Hans-Georg zu Gast sein und uns eigentlich wie zuhause fühlen. Alaa hat uns an diesem Abend Shisbarak zubereitet und Fadi war für das Ozi zuständig – wir nannten es schlicht „Only Fleisch with Reis.“ Beides sind typisch arabische Gerichte und ich starte mit den arabischen Teigtaschen in Joghurtsauce. Den vorbereiteten Teig hat der Koch aus Damaskus schon mitgebracht, aber der wird einfach in der gewünschten Menge mit Mehl, Wasser etwas Öl und Salz gemacht. Die Füllung ist bestehend aus Rinderhackfleisch, Zwiebeln, Pinienkernen und Koriander und Pfeffer schnell gemacht.

Ein bisschen Übung braucht es, um aus den ausgestochen Kreisen (oder selbst erstellten) eine kleine gefüllte Teigtasche zu machen. Aber wenn auf den Kreis 1 Teelöffel rohe Füllung landet, dann zusammenklappen, die Enden verschließen und fertig ist das Hütchen. Das hat uns alle sehr viel Spaß gemacht und wir haben wirklich gelacht. Es geht auch ohne Teigwurftechniken, aber Alaa ist nun mal vom Fach und würde am liebsten in der Nähe seines Onkels in Berlin als Koch arbeiten.

Gegart werden diese kleinen Kunstwerke in einer Sauce aus Joghurt, Wasser, Ei, und Stärke, die mit Knoblauch und Koriander fein abgeschmeckt wird. Dazu sollte man in der Nähe des Herdes bleiben, denn nach dem Pürieren wird die Sauce unter rühren zum Kochen gebracht und dann dürfen die Teigtaschen so 20-30 min ziehen. Absolut erfrischend und köstlich war das!

Fadi war nebenbei für das Ozi zuständig, auch wenn der gelernte Drucker heute ein bisschen den Chefhut aufhatte und überall dabei war oder freundlich delegierte. Ebenfalls aus Damaskus, ist Fadi vor 10 Monaten nach Deutschland gekommen und hat mit seinen sehr guten Deutschkenntnissen dafür gesorgt, dass ich keinen Zubereitungsschritt verpasse. Nici hier, Nici da und am Ende sah meine Mitschrift aus, wie eine mathematische Formel mit griechischen Untertiteln – Helga war jedenfalls durchaus besorgt, ob wir diese Gerichte jemals in Reinschrift in der Broschüre lesen werden – wird schon Helga. Fadi hat jedenfalls direkt begonnen Rinderhackfleisch mit Wasser, Zwiebeln und Pfeffer zu kochen. Der Reis wurde wieder vorab in Wasser eingeweicht und auch die Erbsen und Pinienkerne wurden jeweils in Einzelpfannen gegart oder in Öl angeröstet. Die Katze im Haus hat das nicht beeindruckt.

Spannend war für mich, dass ein Teil des Kochwassers später in der Reismischung landete, was aber geschmacklich durchaus Sinn machte und sehr köstlich war. Das Gemisch der unterschiedlichen Zutaten hätte sicher für weitere 10 Gäste gereicht und war eine absolute Augenweide. Aber die Füllung wurde versteckt und zwar in hauchdünnen Teigkreisen. Fadi erklärte, dass es sehr schwer sei, diese dünnen Teigkreise zu machen, hat mir aber verraten, wie sie gehen. Die muss ich mal selber ausprobieren, notfalls schmeckt „only Fleisch with Reis“ auch ohne den Mantel. Absolut beeindruckend war für mich die Sicherheit, Freude und der Spaß, den die Köche und Assistenten versprüht haben. Nebenbei hat Helga immer wieder versucht in der kleinen Küche Ordnung zu schaffen, damit Familie Hiller nicht renovieren muss nach der Aktion, Marieta und Hans-Georg haben draußen eine Sommertafel gedeckt, Nina war überall mit der Kamera, Mohannad hat Paco beschäftigt und ich habe geschrieben, probiert, zugehört, mitgemacht und war wieder mal selig, dass ich das machen darf. Was für ein Glück!

Am Ende des Abends haben wir wunderbar draußen essen können, Maamoun und Helgas Mann kamen auch noch dazu und das war ein absolut toller und gelungener Tag, der mit einem Gewitter endetet. Beide Gerichte sind super schmackhaft gewesen und in der Zubereitung gut machbar – Kochen mit der Familie, alten und neuen Freunden ist auf jeden Fall eine wunderbare Sache, bei der man toll ins Gespräch kommt. Danke ins Lautertal!

Im nächsten Beitrag werde ich vom Integrationshaus in Köln berichten, wo wir ein marokkanisches Hochzeitsgericht gekocht haben.

Bis dahin

Nici Friederichsen

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