Marokkanisches Hochzeitstajine

Die Köche des Tages bereiten für uns ein marokkanisches Hochzeitsgericht zu – Tajin mit Pflaumen

Heute ein 4er Kochteam mit Samir Kamri (36), Fahd Elmakhloufi (32), Tarik Bouhjar (31) und Mohamed Abdahllah Ammar (32)

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Mohamed, Samir, Fahd und Tarik

Das heutige Team wurde noch ergänzt durch die wundervolle Angela Graumann an der Kamera, Tina Geldmacher und der spontanen Retterin des „Kölnkochtermins“ Elizaveta Khan vom Integrationshaus in Köln – na und ich war auch dabei und mittendrin.

Köln als eine Wunschstadt zum Kochen war schon früh in meinem Kopf. Tina Geldmacher, Mitglied im BVT lebt in Köln und hatte schnell eine passende Fotografin für mich gefunden. Zusammen mit Angela Graumann arbeitet sie auch gerade an einem Buchprojekt über trauernde Jugendliche und so war der Teil schon mal geklärt. Über einen Aufruf fanden wir schnell auch Interessierte zum Kochen, die aber leider ein paar Tage vor dem Termin absagen mussten. Tina, Angela und ich haben dann über Facebook, Mailing und Kontakte versucht den Termin zu retten und dann kam die Mail von Lisa Khan vom Integrationshaus in Köln. „Klar würden wir gerne mitmachen.“ und genauso war es dann auch an diesem Tag. Eine solche Wärme, Offenheit und entspannte Atmosphäre im Integrationshaus hat uns einfach umgehauen. Das war sensationell spontan und es verwundert mich nicht, dass der ehrenamtlich geführte Verein schon mehrfach preisgekrönt ist für seine Arbeit und Projekte. Hier gibt es nicht nur Integrationskurse, sondern auch Geflüchteten stehen die Türen offen und die Arbeitsschwerpunkte des Vereins sind Bildungs-, Informations- und Beratungsangebote sowie Projektarbeit in dem Themenspektrum Migration, Integration, Demokratie und Partizipation. Ja, und heute dann mal ein Gericht für mein Projekt kochen.

Die Küche heute war wirklich sehr klein und doch haben unsere 4 Köche, Angela, Tina und ich Platz gefunden. Zwischenzeitlich war ja auch noch Unterricht und so mancher Tee wurde gekocht und schon nachgefragt, wann unser Tajin den fertig sei. Tajin bezeichnet in diesem Fall nicht nur den klassischen Lehmtopf, sondern auch der Inhalt heißt Tajin. Heute mit Fleisch von der Kuh mit Knochen (unbedingt auch Fett für den Geschmack) und Pflaumen. Die Mischung von süß und herzhaft ist typisch für die marokkanische Küche und wird noch ergänzt durch Mandeln. Eine echte Herausforderung ist es auch heute wieder, dass 8 Hände gleichzeitig arbeiten und ich zeitweise nicht so schnell schreiben kann. Besonders rührend finde ich es, dass die jungen Marokkaner losgezogen sind und einen echten Tajin gekauft haben.

Wie schon in anderen Fleischgerichten der letzten Zeit wurde auch hier das Fleisch mit Zwiebel für ca. 50min geköchelt. Da wir keinen Schnellkochtopf hatten gab es hier etwas Wasser und Öl dazu. Während der Garzeit wurden nach und nach noch  Zwiebeln, Tomaten, gehackter Koriander, Knoblauch und eine Zimtstange zugefügt. Spannend auch die Gewürze, denn mit Ingwer, Zimt und Safran wurde der Duft in der kleinen Küche immer verlockender und schon bald waren auf dem Flur die ersten Sprachkursler, die beschlossen hatten zu warten bis es was zu essen gab.

Den Pflaumen erging es dann ähnlich köstlich, denn mit etwas Sud von dem Fleisch und reichlich Zucker, Zimt und Butter köchelten diese vor sich hin und waren nicht nur optisch ein Highlight. „Orange blossom water“ und etwas Wasser gaben den Pflaumen dann noch den richtigen Geschmack. Während wir so vor uns hin kochten konnten wir uns sehr gut auf Deutsch unterhalten, denn die jungen Marokkaner leben zwischen 6 Monaten und 1,5 Jahren in Deutschland und sind alle sehr fleißig beim Lernen der Sprache. Besonders witzig war es, als Samir erzählte, dass dieses Rezept von seiner Schwester ist und er es das erste Mal zubereitet. Dabei wirkte alles so routiniert. Kochen ist eine gerne verrichtete Tätigkeit und so machen alle 4 eine gute Figur in der Küche und fachsimpeln gelegentlich über die Vorgehensweise. Die Mandeln schwammen derweil im Öl und wurden goldbraun, während der Sesam so geröstet wurde. Wir tauschen uns währenddessen über Gastfreundschaft und unterschiedliche Gebräuche aus. Männer der heutigen Zeit kochen auch in Marokko – ob sie auch abwaschen sehen wir dann später. Vielleicht gilt aber auch hier: Wer kocht muss nicht abwaschen.

Derweil stiegen draußen die Vorbereitungen. Flinke Hände deckten den Tisch und unser Gericht für 8 Personen muss heute für ein Dutzend Gäste reichen. Im Tajin werden jetzt alle Zutaten liebevoll drapiert und für Angela werden die Mandeln in Zeitlupe angerichtet. Leider musste Tina zu einem Notfall und ich schätze dies wird eines der ersten Gerichte aus der Kochbroschüre, das sie nachkochen wird. Am schlimmsten ist für alle immer der Moment wenn alles fertig ist, aber das Foto für die Broschüre noch gemacht werden muss. Lauter hungrige Köche und Gäste müssen dann raus aus dem Bild und warten. Aber als es dann losging war es umso toller. Wir haben mit den Fingern gegessen – also mit dem Brot aus dem Tajin etwas gefischt und es schmeckte absolut großartig! Diese Kombination war sensationell lecker und das an einem schönen Sommerabend in Köln. Super. Dabei haben wir dann auch über die deutsche Asylpolitik gesprochen, Schwierigkeiten mit den Aufenthaltsbestimmungen und die Mühlen der Bürokratie die im Angesicht des Ansturmes im letzten Jahr verständlicherweise langsam mahlen. Das war hochinteressant und spannend.

Wieder einmal bin ich völlig glücklich und bereichert nach Hause gefahren. Was für ein Tag und was für wunderbare Menschen durfte ich wieder kennenlernen. Der Ausklang vor dem Haus hat mich im Auto noch lange begleitet und heute beim Schreiben freue ich mich wirklich sehr, dass Lisa Khan ein so großes und offenes Herz hat.

Im nächsten Blogbeitrag schreibe ich von meinem Besuch in Wedel mit zwei sehr unterschiedlichen Gerichten.

Bis dahin

Nici Friederichsen

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