„Süßes Tajin“ in Calden

Die Köche des Tages bereiten für uns ein süßes Tajin zu

Nasro Abdallah und Djamel Djoued aus Algerien

Auszug aus den Gedanken von Djamel Djoued

In dieser heutigen Unruhe wegen diesen Religions-, Politik- und Wirtschaftsmächten und weltweiten Kämpfen, sollten wir versuchen eine Pause zu machen. Um Frieden und ein ruhiges Zusammenleben wiederherzustellen.

Die Menschheit hat immer nach Wohlstand gesucht und tut es bis heute. So unterschiedlich die Völker auch sind, so haben doch alle mitgemacht mit dem gleichen Ziel.

In einem Wort, wir sollten zeigen, ohne idealistisch zu sein, was uns allen gehört und uns verbindet – nicht das was uns unterscheidet.

 

Außerdem dabei unser Fotograf Kurt Heldmann, meine bezaubernde Kontaktperson Viola Schröter und meine Mama, Anne Welzel, die mal schauen wollte was ich den Sommer über so gemacht habe.

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Mein Termin in Calden kam sehr spontan zustande. Ein anderes Kochen war immer noch unklar und dann hat Felicitas mir die Nummer von Viola gegeben, die sich dann um alles gekümmert hat. Viola arbeitet in Calden in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Auftrage des Regionalverband der  Johanniter in Nordhessen. Der Koordinator der Sozialarbeit ist Kurt Heldmann, der auch an diesem Tag die Fotos für uns macht. Gemeinsam mit meiner Mama bin ich gespannt zu dem Gemeindehaus gefahren, in dem wir uns treffen wollen, denn in der Erstaufnahmeinrichtung ist kochen leider nicht erlaubt. Pfarrer Himmelmann hat uns dann auch die Türen geöffnet und in der blitzblanken Gemeindeküche haben wir uns schnell alle zusammen eingefunden. Danke nochmal für dieses nette Angebot, dort zu kochen.

Die beiden Männer die für uns ein süßes Tajin zubereiten kommen beide aus Algerien. Djamel ist Berber und kommt aus Aures. Rund 1000km entfernt liegt Tjared, die Heimatstadt von Nasro. Wir können uns sehr gut auf Deutsch unterhalten, denn Djamel, der Designer und Künstler ist, hat in den 80er Jahren schon in Österreich gelebt und gearbeitet. Er übersetzt auch Nasro, der seit 9 Monaten in Deutschland lebt, sich aber mit unserer Sprache noch schwer tut. In Algerien hat er nicht als Koch gearbeitet aber für viele Familienfeiern festliche Gerichte zubereitet und deswegen ist er auch heute unser Chef am Herd. Wie schon im Kölner Tajin ist die Grundlage gut durchwachsenes Fleisch mit Knochen, welches als erstes mit einer ganzen Zwiebel in den Topf wandert. Da wir keine blanchierten Mandeln bekommen konnten, weichen wir unsere ein und ziehne später selber die Haut ab.

Meine Mama ist ja eine ganz patente Köchin und auch überhaupt nicht schüchtern. So kommt schnell ein Gespräch zustande und beim Aprikosen füllen fragen wir uns gegenseitig aus. Mit Djamel zu reden ist natürlich großartig, weil es keine Sprachbarriere gibt und so erfahren wir aus erster Hand, wie es sich anfühlt jetzt aus ganz anderen Gründen wieder in einem europäischen Land zu sein. Djamel liebt seine Heimat, hat dort wunderschöne Kunstwerke geschaffen und musste trotzdem fliehen. Nasro ist zurückhaltend, denn er versteht nicht alles und trotzdem bemühen wir uns möglichst viel übersetzt zu bekommen. Die 1000km zwischen den beiden Heimatstädten machen sich auch in der Zubereitung bemerkbar, aber Nasro setzt sich durch und Djamel ist gelassen.

Auch hier geht es nicht ohne eine zweite Speise, ein Salat aus gehäuteter Paprika und Tomaten, der mit der scharfen Peperoni großartig schmeckt. In unser Tajin wandern nun nach und nach auch die Rosinen, Pflaumen und die Aprikosen. Das Fleisch ist ja schon mit einer typisch arabischen Würzmischung versehen und durch Zimtstange, Nelken und später auch Zucker bekommt der Fleischsud die nötige Süße. Auch die restlichen Mandeln kommen hinzu und das Gericht muss jetzt noch die kritische Kostprobe durch Djamel überstehen. Ich war schnell überzeugt – köstlich. Auch ein Tajin, aber doch so ganz anders als in Köln.

Dank Mama und Viola war der Tisch schnell gedeckt, der Abwasch erledigt und trotz Regen hat Kurt ein schönes Foto im Garten gemacht. Wir durften endlich alle probieren und haben uns während des Essens auch überlegt noch mit zum alten Flughafengelände zu fahren, um uns vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Mit dem köstlichen Mittagessen gestärkt haben wir uns dann gemeinsam auf den Weg gemacht und im Nachhinein bin ich froh, dass wir das sehen durften- wenngleich wir auch nicht fotografiert haben, denn darum ging es gar nicht.

In der Erstaufnahmeeinrichtung durften wir nach der Sicherheitskontrolle auf dem Gelände alles fragen und haben viel erklärt bekommen. Die Menschen dort leben in modernen Containern, bis eine weitere Unterkunft gefunden ist, oder die Reise weitergeht. Unzählige Mitarbeiter in allen möglichen Bereichen begrüßen uns freundlich, neugierig umringen ein paar kleine Kinder meine Mama, während mir Djamel seine Unterlagen zeigt. Ein neues Kunstprojekt schwebt ihm vor und ich darf seine Texte kopieren. Die Verabschiedung zweier Mitarbeiter findet heute statt und von überall bringen helfende Hände Tische, Kuchen, Kaffee und Tee. Überhaupt ist dieses Kommen und Gehen für die Mitarbeiter eine große Herausforderung und Belastung. Aus dem Augenwinkel sehe ich wie meine Mama draußen mit einem kleinen Mädchen in einer bezaubernden nonverbalen Kommunikation steckt. Viola und Kurt sind schon wieder mitten in der Arbeit und auch der Standortleiter schaut vorbei. Ein bisschen Normalität in dieser kleinen Stadt am Flughafen, in der alle Menschen auch behandelt werden wie Menschen. Danke dafür!

Im nächsten Beitrag berichte ich über mein letztes Kochen in Berlin!

Bis dahin

Ihre Nici Friederichsen

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