Linsenköfte in Berlin

Unsere Köchin des Tages bereitet uns mit ihren charmanten Assistentinnen Linsenköfte mit Zaziki zu.

Die Köchin des Tages ist Ummahan Aydogdu und vor 25 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen

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Ummahan Aydogdu

Unsere freundlichen Gastgeber waren die Projektleiterin Deniz Yagbasan-Christe und die junge Patin und Studentin Malica Christ vom SoliNaR in Berlin. Fotografisch hat uns die frischgebackene Abiturientin Pia Klein begleitet.

Über das von Programm „Zukunftsinitiative Stadtteil II“, Teilprogramm „Soziale Stadt“ und das Quartiersmangement Richardplatz Süd in Berlin-Neukölln geförderte Projekt „SoliNaR“ habe ich schon früh in meiner Recherche gelesen. Mit Jana Weiß habe ich ursprünglich einen Termin ausgemacht, aber dann wurde es doch aus verschiedensten Gründen immer später und somit hat dann Malica unser Kochen begleitet und ich schicke an dieser Stelle Grüße nach England zu Jana! Im SoliNaR wird außerhalb der Schulferien 1x wöchentlich zum Essen eingeladen. Sprachkursler, Nachbarn aus dem Kiez und Interessierte dürfen dann das meist vegetarische Gericht kostenlos genießen. Alle im Kiez waren zum Start des sozialen Projektes aufgerufen zu helfen und so gab es Kleider- und Sachspenden, ein Film wurde gedreht („Labyrinth der Heimat“), ein Patenprojekt wurde eingerichtet und eben auch das Nachbarschaftskochen. So wurde und ist es ein Projekt aller Kiezbewohner. Besonders spannend ist es, dass genau dort im 18 Jahrhundert bähmische Glaubensflüchtlinge Zuflucht fanden und der Kiez auch den Namen böhmisches Viertel trägt.

Heute kommen  Stadtteilmütter und kochen mit uns Linsenköfte mit Tzatziki, ein türkisches Gericht, welches aus Linsen und Bulgur besteht. Ummahan ist vor 25 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Die Sprache und das Land waren ihr fremd und anfangs hatte sie nur ihren Mann. Doch schnell findet sie sich ein, bekommt drei Töchter und hat mit ihrem Mann zusammen jahrelang ein kleines Restaurant. Doch irgendwann muss sie auf eigenen Beinen stehen und ist jetzt seit ein paar Monaten stolze Stadtteilmutter. In 6 Monaten hat sie viel gelernt über Erziehung, Gesundheit und Bildung und unterstützt nach bestandener Prüfung nun regelmäßig Familien in ihrem Stadtbezirk. Die roten Tücher und die bunte Tasche sind das Markenzeichen und bald kommen auch noch die Kolleginnen Diana Janbeik und Ajmone Maksutaj dazu. Nach dem „shooting“ geht es dann auch endlich in die Küche.

Während in dem einen Raum noch gelernt wird, starten wir in der Küche und erstmal werden alle Zutaten gründlich gewaschen. Salz zu Dill und Petersilie ins Wasser geben, das ist gut gegen Bakterien. Auch die Linsen werden ordentlich gewässert bis sie sehr weich gekocht werden und dann mit dem Bulgur ziehen. Alle Kräuter und Zutaten werden superfein geschnitten und Ummahan schaut kritisch ob der Knoblauch bei mir auch fein genug wird – wird er. Der ist allerdings für das Zaziki, das sehr schnell fertig ist, denn neben türkischem Joghurt brauchen wir hier nur noch Gurke, Dill etwas Salz und den Knoblauch.

Die Optik der Linsenköfte erinnert später die jungen syrischen Sprachkursgäste an Kubba, welches ich mit Hasan gemacht habe. Geschmacklich ist es durch die Linsen aber ganz anders. Wir wählen die milde Variante, die mit Zitronensaft, Tomaten- und Paprikamark und knackig frischen Frühlingszwiebeln auskommt. Alternativ wären Chili und scharfes Paprikapulver drin gewesen. Wenn alles vermischt wurde, dann werden daraus mit der Hand kleine Portionen geformt und auf riesigen Platten angerichtet. Salat ist heute unser Brot und wir können später wieder hervorragend mit den Fingern essen. Zum Essen kommen die Kursteilnehmer, wir unterhalten uns über das Projekt und loben das Kochteam verdientermaßen. Eine tolle und schnelle Beilage oder Mahlzeit, die auch gut vorbereitet und varriert werden kann.

Später tritt dann Jurij Weidelhofer seinen Schreibtischdienst an. Ein weiterer Service, der ehrenamtlich ist. Hier können Geflüchtete Fragen zu Dokumenten und Papieren stellen und erhalten Unterstützung. Malica ist außerhalb vom Solinar zusätzlich bei einer Patenfamilie, mit der sie inzwischen eine tiefe Freundschaft verbindet. Die Projektleiterin Deniz Christe hat es anfangs in unserem Gespräch sinngemäß gesagt: Wenn die grundlegenden Bedürfnisse gestillt sind, dann treten Freundschaft und familiäre Beziehungen in den Vordergrund – und das ist gut so!

Etwas wehmütig bin ich an diesem Abend bei schönstem Sommerwetter wieder nach Hause gefahren. 20 Gerichte habe ich bekommen, über 50 Menschen waren beteiligt als Vermittler, Köche, Fotografen, Tafelmitarbeiter, Trauerbegleiter, Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen oder Helfershelfern. Überall war ich herzlich willkommen und staune immer noch, was für wunderbare Menschen mir begegnet sind. Jetzt bekommt der Verlag Die Werkstatt alles ins Layout und schon zur Buchmesse in Frankfurt soll es die ersten „Dummies“ geben und dann im November geht es in den Handel. Eine kleine und feine Broschüre, mit euren Geschichten und Gerichten, den wunderbaren Bildern meiner Fotografen und Fotografinnen, von Layout und Lektorat ins rechte Licht gesetzt. Ich bin so gespannt und unendlich dankbar für eure Offenheit und die „leckere“ Zeit die wir verbracht haben.

Das nächste Mal dann vielleicht schon mit ein paar Auszügen aus dem Layout und ein paar Eindrücken aus dem Verlag.

Ihre Nici Friederichsen

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