Wiedersehen in Bremen und ein Gastbeitrag von Team Odenwald

Auf der Messe „Leben und Tod“ gab es ein Wiedersehen mit Teilnehmerinnen und Botschaftern meines Projektes. Dazu noch einen Gastbeitrag von Marieta Hiller, die in dieser Phase der Integration zeigt, dass das nichts für schwache Nerven ist.

Am letzten Wochenende war es fast wie ein Klassentreffen, wie mein Botschafter Hendrik Lind von mapapu sagte. So viele bekannte Gesichter und überall ein freundliches „Hallo“ an den vielen Ständen. Auf der Messe „Leben und Tod“ sind Aussteller und Besucher, die sich hauptamtlichen oder ehrenamtlichen mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen oder sich für diese Themen interessieren.

Es war wunderbar viele liebe Menschen wiederzusehen und am Samstag dann im Forum auch einen großen Scheck an den Bundesverband Trauerbegleitung zu übergeben. Das aus meiner Idee so etwas Großes werden würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Was für zauberhafte Worte der Anerkennung viele Menschen gefunden haben. Dabei war es nach wie vor für mich das größte Geschenk.

Meine Hochachtung ist bei Menschen wie Marieta Hiller, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben und weiter für Ihre neuen Freunde da sind. Ihren Gastbeitrag finden Sie und Ihr unter ein paar Bildern der Messe in Bremen. Danke an alle, die mir die Tage in Bremen so wunderbar versüsst haben – fühle mich ein bisschen wie ein Kranich (den hat mir übrigens die wunderbare Sophia gefaltet)

Gastbeitrag von Marieta Hiller vom Team Odenwald

„Eineinhalb Jahre ist es jetzt her, daß ich erstmals wirklich Kontakt zur arabischen Welt fand, wirklich herzlichen Kontakt. 50 Syrer und Iraker strandeten damals in unserem 700-Seelen-Dorf. Zuerst wollte ich nur ein bißchen Deutschunterricht geben, aber ich wurde sozusagen adoptiert. Drei syrische Partner gehörten ab damals zu meiner erweiterten Familie. Die sind inzwischen „versorgt“: eigene Wohnung, Arbeitsplatz bzw. intensive Suche nach einer neuen Ausbildung (wer braucht in Deutschland noch Drucker, in einer „printfreien“ Onlinegesellschaft) lagen auf dem Weg. Nun versuche ich, ein bißchen für alle in der Unterkunft da zu sein: die kurdischen Iraker ohne Bleibeperspektive, die Syrer die noch immer keine Wohnung gefunden haben, die traumatisierten Eritreer… Ein bißchen für alle bedeutet: ca. 10-15 Stunden ehrenamtlicher Einsatz pro Woche. Das gemütliche „Familie-Spielen“ hat aufgehört, an seine Stelle ist ein immerwährender Kampf getreten: Rechtsanwälte finden die noch neue Klienten annehmen können, Behördenpapiere verstehen (als Muttersprachlerin und Germanistin!), mit Behörden kommunizieren. Letzteres ist besonders reizvoll: erst nach einer massiven Beschwerde über einige Mitarbeiter im JobCenter erfuhren wir, daß man nicht nur nie eine Antwort erhält, sondern auch kein Recht auf Antwort hat. Für jede Kleinigkeit bräuchte man nämlich eine Vollmacht des betreffenden Geflüchteten – und wer möchte schon von einem erwachsenen Menschen eine Vollmacht annehmen, nur weil dieser die Sprache nicht so ganz versteht?
Wir sind von der arabisch-deutschen Speisentafel aufgestanden und haben uns davondriften lassen in den kafkaesken deutschen Alltag. Umso besser schmeckt es, wenn wir – selten selten! – gemeinsam essen. Der Tag ist nicht lang genug, die Woche hat vor lauter Sitzungen und Besprechungen nicht genügend Abende für leckere Essen. Und leider vergeht einem oft auch der Appetit wenn man sieht, wie Willkommenskultur aussieht, wenn sie von deutschen Behörden umgesetzt wird.
Aber das Landfrauen-Spargelrezept Spargelquiche werde ich demnächst mal ausprobieren!
Und für „meine Jungs“ werde ich mich natürlich weiter einsetzen. Wobei noch immer nicht die Frage nach dem Kopftuch geklärt ist: das unterschiedliche Frauenbild steht zwischen unseren Kulturen. Es wird spannend sein, wie sich die Einstellung der Jungs dazu ändern wird – wenn sie sich ändern wird. das ist für mich eines der intensivsten Zeichen für Integration. Schließlich, wie es eine Freundin ausgedrückt hat „haben wir vor 40 Jahren unsere BHs verbrannt um für die Rechte der Frauen zu demonstrieren“ – wobei ich bekennen muß daß ich vor 40 Jahren keinen BH brauchte und auch keinen hatte.“

Liebe Grüße Marieta

Auch ich grüße herzlich an dieser Stelle und freue mich auf weitere Gastbeiträge und Wiedersehen

Ihre und Eure Nici Friederichsen

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