Ein Gastbeitrag aus Köln

Ich freue mich über einen Beitrag von Elizaveta und ihrem Team aus Köln!

Von Tarek, Mohamed, Salua und Elizaveta

 Köln 1

Was so los ist bei uns…

Um die 100 Menschen aus den verschiedensten Lebenswirklichkeiten gehen jeden Tag zum Integrationshaus – um Deutsch zu lernen und zu lehren, um Ideen zu entwickeln, neue Menschen kennenzulernen oder einfach nur, um ins Gespräch zu kommen.

Verschiedene Projekte haben wir in 2016 durchgeführt und sind mit neuer Energie in 2017 gestartet. Vor allem die kommenden Bundestagswahlen sehen wir mit Spannung entgegen – und möchten uns einbringen, vor allem, weil die meisten von uns kein Wahlrecht haben, aber die Entscheidungen, die getroffen werden, auch unsere Lebenswege beeinflussen.

Unser Schwerpunktthema in diesem Jahr, das wir zusammen mit den Interkulturellen Zentren der Stadt Köln entwickelt haben, ist Partizipation. Unter dem Motto „Mischen possible – einmischen-mitmischen“ werden wir verschiedene Aktionen durchführen und versuchen, Menschen zu motivieren an der Gestaltung unserer Gesellschaft mitzuwirken. Zu den Landtagswahlen NRW haben wir beispielsweise die Aktion „Guten Appetit auf die Wahl“ gemacht, aus der dieses Video entstanden ist: https://www.youtube.com/watch?v=82Do3h3Gabo

Weiterhin beteiligen wir uns an einem Werkstattverfahren zu den Hallen Kalk. Dieses Areal soll nun bebaut werden und Bewohnerinnen und Bewohner sind aufgerufen, sich mit Ideen einzubringen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder und Jugendliche als auch Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte wenig bis gar nicht an solchen Beteiligungsprozessen teilnehmen. Das möchten wir ändern. Wir haben dazu einen Workshop mit Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren durchgeführt, und sie gefragt, wie sie sich das Areal vorstellen – die Ideen findet mensch hier: https://www.youtube.com/watch?v=glsh5HzSG8Q

Wir möchten auf jeden Fall auch eine Migrantenbundestagswahl durchführen, an der alle, die nicht wählen dürfen, wählen können. Und noch vieles mehr…

Miteinander kochen in Köln…

Im Sommer 2016 haben wir mit Freude am Projekt „Miteinander kochen“ teilgenommen – und seitdem schon einige Rezepte aus dem Kochbuch ausprobiert – Lecker“!

Köln 2

Und was machen die vier Gastköche, Samir, Fahd, Tarik und Mohamed?

Samir hat erfolgreich den Integrationskurs abgeschlossen und versucht nun, eine Arbeit zu finden. Am liebsten möchte er Taxifahrer werden, da er diesen Beruf auch in Marokko ausgeübt hat. Und er möchte eine Familie gründen. Allerdings gestaltet sich seine Lebensplanung schwierig, da sein Aufenthaltsstatus noch immer nicht endgültig geklärt ist. Trotz dieser Unsicherheiten, ist er motiviert, seinen Weg zu finden.

Fahd ist nach München gezogen – durch eine neue Arbeit und einige Bekannte, hat er sich schon gut eingewöhnt. Und er hält Kontakt zu seinen Freunden in Köln!

Tarik und Mohamed besuchen weiterhin unser freies Sprachangebot und sind von Tag zu Tag sprachgewandter. Auch sie möchten gerne eine Familie gründen und eine gute Arbeit finden. Doch auch hier mahlen die bürokratischen Mühlen langsam, und sie müssen sich in Geduld üben, wann ihr Aufenthalt in Köln endgültig geklärt sein wird.

Was sie sich für die Zukunft und für Deutschland wünsche? Einstimmig: Frieden, Liebe und ein gutes Leben für alle!

Wir sind hier schon so eine kleine, bzw. große Familie und es ist schön zu sehen, welche Entwicklungen gemacht werden und wie neue Freundschaften entstehen. Dennoch machen wir uns auch Sorgen; gerade im Wahlkampf, sei es hier in Nordrhein-Westfalen als auch auf Bundesebene werden die Aussagen gegenüber Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte und die Themen Flucht, Migration und Integration immer rauer – wir haben das Gefühl, dass etablierte Parteien alle das „Rechstüberholverbot“ vergessen haben… Im Januar 2017 wurden wir eingeladen, eine Rede auf einer Gegendemonstration zu halten. Gerne möchte ich im Folgenden unsere Kernbotschaft wiedergeben:

Es ist nicht so, dass es nicht schon vorher diskriminierende Aussagen, Handlungen, Gesetze gab – aber jetzt haben wir den Eindruck, dass jeden Tag die Grenze, was gesagt werden kann, verrutscht – und dass Gutmenschentum als Beleidigung gilt. Das kann, das darf nicht sein. Dass die AfD in das Parlament einzieht, dass macht vielen von uns Angst, das macht mir Angst. Aber ich möchte nicht, dass diese Angst gewinnt. Was können wir tun?

Wir finden, dass wir uns weiter anstrengen sollten!

–           Uns weiter bemühen, den guten Ton zu wahren und diesen auch einzufordern

–           Uns die Mühe geben, die Diskussionen auf Augenhöhe zu führen, egal wer unser Gegenüber ist

–           Uns auf dem Weg machen, demokratische Umgangsformen zu verteidigen

Und weiter im Dialog blieben. Wir wollen unser Zuhause nicht verlieren.

Denn wir sind hier zu Hause – und das ist auch gut so!

 

Liebste Grüße von Allen!

 

Lisa, Samir, Tarik und Mohamed

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